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In diesem Lesebuch sind die Stimmen von Menschen versammelt, die als Kinder oder Jugendliche in den 1930er Jahren vor der nationalsozialistischen Verfolgung nach Großbritannien fliehen konnten. Die meisten von ihnen kamen in den Jahren 1938/39 mit dem „Kindertransport“ aus Deutschland, Österreich, Polen und der Tschechoslowakei. Die Gesprächsausschnitte beruhen auf Interviews, die ich im Jahr 2017 in Großbritannien mit ihnen zumeist auf Deutsch geführt habe. Fragen nach dem Sprachwechsel und den Erfahrungen in der neuen Kultur bildeten den Ausgangspunkt. Doch die Antworten gingen weit darüber hinaus: Es sind auch Erinnerungen an die Eltern, Beschreibungen der dramatischen Reise und Ankunft sowie Lebensberichte unter den Vorzeichen von Trauma und Rettung.

Das Buch hat drei Kapitel: Im ersten Kapitel geht es um das Leben vor der Emigration, um Erinnerungen an die Familie, an die Orte der Kindheit, die Schulzeit, erste Erfahrungen mit dem Antisemitismus und die Entscheidung zur Emigration. Das zweite Kapitel schildert die Reise nach Großbritannien: die Ankunft, die ersten Eindrücke und Erlebnisse, die Begegnung mit der neuen Sprache und Kultur, die Reaktionen und Aufnahme in Großbritannien. Im dritten Kapitel findet ein Zeitsprung statt: es wird nun über das Leben als Erwachsene gesprochen, es wird von Reisen zurück in deutschsprachige Länder, z. B. an den Geburtsort, erzählt, und es wird die Frage der Mehrsprachigkeit, der Identität und der Tradition in der Familie berührt.

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